FMEA-Moderator — Tagessatz, Festpreis oder Hybrid?
Worum es hier geht
- Drei Preismodelle für externe FMEA-Moderation: Tagessatz, Festpreis-Sprint, Hybrid. Keines ist pauschal besser — die Wahl folgt aus dem Scope, dem Risiko-Träger und der Methodik-Klarheit.
- Tagessatz ist der Marktstandard und der ehrliche Default, wenn der FMEA-Scope nicht vorher klar messbar ist.
- Festpreis-Sprint funktioniert nur, wenn Scope, Tiefe und Sitzungsanzahl im Vorfeld klar definiert sind — sonst trägt einer der Beteiligten ein Risiko, das die Zusammenarbeit belastet.
- Hybrid (Festpreis-Kick-off plus Stundenrahmen) ist häufig die saubere Lösung bei Erstkunden und Pilotprojekten.
- Konkrete Preise besprechen wir im Erstgespräch — abhängig von eurem Scope, nicht aus einer Liste.
Warum die Preisfrage komplizierter ist als sie scheint
Die Frage nach dem Preis kommt früh — meist im ersten Gespräch, oft schon in der E-Mail-Anfrage. Verständlich: Budget-Verantwortliche brauchen eine Zahl, bevor sie freigeben können. Das Problem ist nicht die Frage, sondern dass eine einfache Antwort selten ehrlich ist.
FMEA-Tiefe ist vor Beginn nicht zuverlässig messbar. Ein Bauteil mit zwölf Funktionen kann vier oder vierzehn Sitzungen brauchen, abhängig von der Komplexität der Schnittstellen, der Qualität der vorhandenen Anforderungs-Dokumentation und davon, wie viel Methodik das Team mitbringt. Wer mit einer pauschalen Zahl reagiert, kalkuliert entweder einen Sicherheitspuffer ein — dann zahlt der Kunde zu viel — oder unterschätzt den Aufwand und liefert am Ende eine FMEA, die methodisch nicht hält.
Deshalb gibt es drei Modelle. Welches passt, hängt vom Scope, der Methodik-Klarheit und vom Risiko-Verhältnis ab.
Modell 1: Tagessatz — der Marktstandard
Der Tagessatz ist die Default-Variante in der FMEA-Moderation. Du buchst Tage, ich moderiere, dokumentiere und bereite vor. Abgerechnet wird, was tatsächlich erbracht wird.
Wann das passt:
- Der genaue Scope ist noch nicht klar (häufig in der Discovery-Phase)
- Es geht um laufende FMEA-Arbeit über mehrere Monate
- Methodik und Team-Verfügbarkeit sind unbekannte Größen
- Der Einkauf ist auf Manntage konditioniert — bei OEMs und Tier-1 fast immer der Fall
Wann das nicht passt:
- Der Scope ist klar, das Team ist erfahren, die Arbeit ist klar abgrenzbar — dann kann ein Festpreis sauberer sein
Der Tagessatz ist der ehrlichste Default. Wer ihn ablehnt, will entweder Budget-Sicherheit (dann gehen wir zu Festpreis) oder hat unklare Erwartungen (dann sprechen wir vorher über den Scope).
Modell 2: Festpreis-Sprint — wenn der Scope klar ist
Ein Festpreis-Sprint funktioniert für klar abgegrenzte FMEA-Aufgaben: eine Bauteil-FMEA mit definierter Sitzungsanzahl, klarer Methodik (AIAG/VDA 2019, ISO 14971 und so weiter) und vorhandener Anforderungs-Dokumentation. Du bekommst eine Zahl, ich liefere das Ergebnis.
Wann das passt:
- Ein konkretes Bauteil oder Prozess, klar abgegrenzt
- Methodik ist im Team bekannt — keine Schulungs-Komponente nötig
- Vier bis sechs Sitzungen, dokumentiert in APIS IQ oder Plato e1ns
- Termin-Druck (zum Beispiel Audit-Vorbereitung, SOP-Freigabe, Lieferanten-Bewertung)
Wann das nicht passt:
- Scope wird im Verlauf wachsen (häufig bei Erstprojekten)
- Mehrere Bauteile, mehrere Teams, lose Abgrenzung
- Methodik muss erst eingeführt werden
Festpreis ist nicht „billiger“ oder „teurer“ als Tagessatz. Er verlagert das Risiko: Wenn die FMEA tiefer wird als gedacht, trage ich die Mehrarbeit; wenn sie schneller fertig ist, hast du mehr bezahlt als nötig. Genau deshalb braucht ein Festpreis-Sprint einen sauberen Scope vor Vertragsbeginn.
Modell 3: Hybrid — Kombination aus Sicherheit und Flexibilität
Das Hybrid-Modell ist die häufigste Wahl bei Erstkunden: ein Festpreis-Kick-off (zum Beispiel Initial-Workshop und erste zwei Sitzungen) plus ein Stundenrahmen für die offene Phase danach.
Wann das passt:
- Erstes Projekt zwischen uns, beide wollen die Arbeitsweise prüfen
- Pilotprojekt für eine neue Methodik — zum Beispiel KI-gestützte FMEA, Plausibilitäts-Bot oder mehrsprachige FMEA
- Klarer Start-Termin, aber offenes Ende
- Budget muss gedeckelt, aber nicht starr fixiert sein
Wie das aussieht:
- Festpreis für Kick-off und definierten Initial-Scope (zum Beispiel zwei Wochen, drei Sitzungen, Strukturanalyse und Funktionsanalyse fertig)
- Danach Tagessatz für die Fortsetzung, mit einem vereinbarten Maximal-Volumen
- Gemeinsame Zwischenbewertung, ob das Modell noch passt
Hybrid ist häufig die saubere Antwort, wenn weder Festpreis noch Tagessatz alleine das richtige Verhältnis von Sicherheit und Flexibilität liefern.
Wer welches Risiko trägt
Drei Risiken sind in jeder FMEA-Moderation verteilt — die Preismodelle verteilen sie unterschiedlich.
Komplexitäts-Risiko (FMEA wird tiefer als erwartet):
- Tagessatz: Kunde trägt
- Festpreis: Moderator trägt
- Hybrid: geteilt nach Festpreis-Phase und offener Phase
Methodik-Risiko (Team braucht mehr Schulung als gedacht):
- Tagessatz: Kunde trägt
- Festpreis: Moderator trägt — falls Schulung nicht ausdrücklich aus dem Sprint ausgenommen ist
- Hybrid: Kunde trägt (Schulung ist meist außerhalb des Festpreis-Sprints)
Termin-Risiko (Sitzungen müssen verschoben werden, Verfügbarkeit fehlt):
- Tagessatz: geteilt (Tage werden trotzdem abgerechnet, wenn kurzfristig abgesagt)
- Festpreis: Moderator trägt (Liefertermin steht im Vertrag)
- Hybrid: geteilt nach Phase
Die Risiko-Verteilung ist häufig der eigentliche Punkt — nicht der Preis selbst.
Lessons Learned aus der Praxis
Aus mehreren Jahren externer FMEA-Moderation und vergleichbarer Engineering-Service-Aufträge (Lessons-Learned-Moderation, AGILean-Coaching, Engineering-Beratung) ist ein klares Muster sichtbar.
Erstens: Selbst bei scheinbar klar abgegrenzten Aufgaben bevorzugen Kunden mehrheitlich Stundenabrechnung. Der Grund ist nicht Misstrauen, sondern Steuerbarkeit — sie wollen die Möglichkeit haben, mitten in der Arbeit den Scope zu schärfen, ohne neue Verhandlungen.
Zweitens: Wer Festpreis bekommt, hat häufig nicht „billiger gekauft“, sondern Sicherheit gegen Tempo getauscht. Festpreis-Sprints sind oft schneller, aber nicht günstiger.
Drittens: Pauschalpreis-Versprechen, die manche Anbieter im Marketing platzieren, halten in der Praxis selten. Was als Festpreis verkauft wird, läuft am Ende meistens als Tagessatz, ergänzt um Nachverhandlung.
Deshalb steht hier kein „Pauschalpreis-für-alles“. Stattdessen drei ehrliche Modelle, deren Wahl wir gemeinsam treffen, bevor das Projekt startet.
So läuft ein Erstgespräch
Im ersten Gespräch — kostenfrei, 30 Minuten — schauen wir uns vier Punkte an:
- Worum geht es konkret? Bauteil, Prozess, mehrere FMEAs gleichzeitig?
- Welche Methodik gilt? AIAG/VDA 2019, ISO 14971 (Medizintechnik), VDA Band 4 oder eine andere?
- Welche Tiefe braucht ihr — bis zur Bauteil-Freigabe, bis zum Audit, bis zur Lieferanten-Bewertung?
- Was bringt das Team an Methodik schon mit, was braucht Schulung?
Aus diesen vier Antworten ergibt sich das passende Preismodell. Es gibt keine „Liste mit Tagessätzen pro Branche“ — die Zahl entsteht aus dem konkreten Scope.
Wer schon weiß, dass ein Festpreis-Sprint passt: gerne direkt benennen, dann sparen wir den Discovery-Schritt.
Nächste Schritte
- Erstgespräch vereinbaren — kostenfrei, 30 Minuten, sortiert eure Anforderung und nennt das passende Modell. Kontaktformular.
- Methodik prüfen — wenn ihr unsicher seid, welche FMEA-Methodik bei euch gilt: AIAG/VDA-Methodik-Treue trotz KI-Einsatz.
- Architektur verstehen — wenn ihr nicht nur eine einzelne FMEA wollt, sondern KI-gestützte Engineering-Prozesse: Das Engineering-Betriebssystem für FMEA und KI.
Thomas Luft ist PCC-zertifizierter FMEA-Experte und AGILean Coach. Er berät Engineering-Unternehmen beim Aufbau KI-gestützter Prozesse. Kontakt und weitere Infos: fmea-ki.de.
