Eine Stunde Artikel, anderthalb Stunden Pflege. Das ging so nicht weiter.

Mein letzter Artikel auf fmea-ki.de hat eine Stunde gekostet. Anderthalb Stunden danach habe ich im wp-admin nachgepflegt.

Einloggen. Block-Editor öffnen. Absatz reinkopieren. Bild hochladen. Bild als Featured setzen. Tags eintippen, eins doppelt, gelöscht, neu. Kategorie. Slug prüfen. Excerpt vergessen. Status falsch. Vorschau. Wieder zurück. Speichern. Fluchen.

Das war nicht schwer. Das war nervig. Und es war zu zweit: ich und ein Editor, der mit jedem Klick ein bisschen mehr Reibung erzeugt.

Heute mache ich das anders.

Die einfache Beobachtung

Der Bremsklotz war nie WordPress. WordPress ist eine ordentliche Datenbank mit einem hübschen Hintern. Der Bremsklotz war, dass ich WordPress als Editor benutzt habe.

Ein Editor ist ein Ort, an dem man schreibt. Wenn ich an genau dem Ort schreibe, an dem das Ergebnis später liegen soll, muss ich gleichzeitig texten, sortieren, benennen und kategorisieren. Das sind drei Jobs in einem. Schlecht für die Texte, schlecht für die Pflege.

Mein KI-Assistent kann texten. Er kann auch sortieren und benennen. Nur sitzt der nicht in WordPress.

Was ich gebaut habe

Ich habe einen Projekt-Chat (= Assistent) in Claude. Der kennt meine Voice, meine Themen, meine Zielgruppe. Mit dem rede ich, wenn ich einen Artikel will.

Zwischen Claude und meiner WordPress-Installation sitzt n8n. Das ist ein Werkzeug, mit dem man Abläufe verkettet, ohne jedes Mal Code zu schreiben. Bei mir tut es genau eine Sache: es nimmt einen fertigen Beitrag von Claude entgegen und legt ihn als Draft in WordPress ab.

Dabei rechnet n8n nebenbei mit:

  • Markdown wird in Gutenberg-Blöcke übersetzt
  • Tags, die es noch nicht gibt, werden angelegt
  • Kategorien, die es noch nicht gibt, werden angelegt
  • der Autoren-Hinweis kommt automatisch ans Ende
  • der Beitrag landet als Draft, niemals direkt veröffentlicht
  • ich bekomme den Edit-Link zurück

Ich öffne den Link. Lese drüber. Klicke Veröffentlichen.

Warum nicht „die KI klickt im Browser“

Das war mein erster Reflex. Es gibt Werkzeuge, die das machen. Claude kann inzwischen selber im Browser klicken.

Habe ich getestet. Es funktioniert, in dem Sinn, dass es manchmal funktioniert. Es ist langsam, fehleranfällig, und es bricht jedes Mal an einer anderen Stelle, wenn WordPress ein Update macht oder Yoast eine Box verschiebt. Ich habe einer KI zugesehen, wie sie den Featured-Image-Dialog dreimal verfehlt hat. Das ist kein Workflow, das ist ein Trauerspiel.

WordPress hat eine REST-Schnittstelle. Da reden zwei Programme miteinander, in einer Sprache, die beide kennen. Kein Klicken, kein Warten, kein Vorbeischießen. Wenn n8n den Beitrag absetzt, ist der einfach da.

Das ist der Unterschied zwischen einem Roboter, der mit den Augen guckt und mit den Händen tippt, und einem Anschluss, an dem sich zwei Programme direkt unterhalten.

Was ich nicht gewechselt habe

Hosting bleibt bei webgo. WordPress bleibt drin. Plugins, die ich brauche, bleiben.

Was rausgeflogen ist: alles, was nur deshalb da war, weil der Klick-Workflow es brauchte. Was geblieben ist:

  • Yoast SEO, weil ich vor dem Veröffentlichen einmal auf das SEO-Häkchen schaue
  • Jetpack für das automatische Teilen
  • CrawlWP, weil das Google und Bing pingt, sobald ich veröffentliche
  • ein Kontaktformular, weil Leute mich erreichen sollen

Mehr nicht. Der Rest war Lärm.

Wie viel das gekostet hat

Den Bau habe ich an einem Nachmittag gemacht. Mit Hilfe von Claude, der mir die n8n-Knoten zusammengestellt hat, und einem WordPress-Application-Password, damit n8n überhaupt reden darf.

Es gab Fehler. Die Markdown-Konvertierung hat am Anfang die Bilder verschluckt. Die Kategorie wurde dreimal doppelt angelegt, weil ich auf den Namen geprüft habe statt auf die ID. Beides repariert.

Pro Beitrag spare ich grob 60 bis 90 Minuten Pflege. Bei vier Artikeln im Monat ist das ein Arbeitstag.

Die Position dazu

Ich bin Maschinenbau-Ingenieur. Ich habe in meiner Berufszeit eine Menge Software bedient und gelegentlich kaputtgemacht. Ich bin kein Programmierer.

Wenn ich das hinbekomme, bekommt es jeder hin, der seine eigene Seite pflegt und genug von der Klick-Reibung hat. Das Werkzeug ist da. Die Schnittstellen sind da. Was lange gefehlt hat, war ein Assistent, mit dem man reden kann wie mit einem Mitarbeiter, und der die Übersetzungsarbeit ernsthaft erledigt.

Den habe ich jetzt.

Eine letzte Beobachtung

Der Beitrag hier ist der erste, der so entstanden ist. Ich habe ihn nicht im Editor geschrieben. Ich habe ihn besprochen, gelesen, an einer Stelle umgeschrieben und freigegeben.

Wenn das hier öffentlich steht, hat das Ding funktioniert. Wenn nicht, sitze ich noch im wp-admin und repariere.


Thomas Luft ist PCC-zertifizierter FMEA-Experte und AGILean Coach. Er berät Engineering-Unternehmen beim Aufbau KI-gestützter Prozesse. Kontakt und weitere Infos: fmea-ki.de.

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